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Maltherapie

Beim therapeutischen Malen wird das Erleben der Farbenwelt und der Farbqualitäten aktiv gefördert und ihre Wirkung gezielt so vertieft, dass der Malvorgang auf Organprozesse, das rhythmische System, das Nervensystem sowie weitere physiologische Zusammenhänge einwirken kann. Die Grundlagen zu diesem therapeutischen Weg wurden von der Malerin Liane Collot d'Herbois gemeinsam mit Dr. med. Ita Wegman erarbeitet und bauen auf dem Menschenverständnis der anthroposophisch erweiterten Medizin auf.

Im Bewusstsein, dass der Mensch die gesamte Farbenwelt aktiv in sich trägt, wird der Schritt zur Maltherapie, die sich der Wirkung der Farben bedient, einleuchtend. Der Mensch ist imstande, als Reaktion auf eine wahrgenommene Farbe aus sich heraus eine völlig andere Farbe, die so genannte Komplementärfarbe hervorzurufen. Diese Komplementärfarbe wird sichtbar, wenn man eine Farbe etwas länger aufmerksam fixiert und die Augen anschliessend auf eine weisse Oberfläche richtet. Nach etwa zwei Sekunden erscheint die Komplementärfarbe, sie hat eine leuchtende, transparente Qualität. Dies bezeugt, dass Farben auf uns einwirken und dass wir auf das Wahrgenommene mit Farbe antworten. Dies ist nur möglich, wenn die Farbenwelt als Ganzes auch zum Eigenwesen des Menschen gehört, denn was dem Menschen wesensfremd ist, kann er nicht aus sich heraus entstehen lassen. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf das Auge, sondern setzt den ganzen Menschen, in welchem das Auge seinen Platz hat, voraus.

Das Verhältnis der sinnlich wahrnehmbaren Farben der Aussenwelt zu den entstehenden Komplementärfarben im Menschen beruht auf einer strengen Gesetzmässigkeit: Eine jede Farbe ruft nur eine ganz bestimmte Komplementärfarbe auf, und beiderlei Farben gehören als Paar zusammen: Betrachtet man die eine Farbe, wird die ihr zugehörende wachgerufen, und umgekehrt. Zudem steht jedes Farbenpaar in einem besonderen Zusammenhang mit allem Farbigen in der Erdatmosphäre. Im Karminrot z.B. ist die Dunkelheit vorherrschend, es ist eine dynamische, warme Farbe. Sie entsteht in der Atmosphäre an einer hohen Dichte vor schwachem Licht. Das Karmin ruft im Menschen ein helles Türkis als Komplementärfarbe auf. In der Atmosphäre ist Türkis eine kristalline, kalte Farbe, sie entsteht an einer geringen Dichte hinter starkem Lichteinfall.

Die Welt der Farben unterliegt somit einer die Natur und den Menschen übergreifenden und verbindenden Gesetzmässigkeit; sie entsteht in der Natur zwischen Licht und Materie (Finsternis) und im Menschen aus der ähnlich ausgerichteten Polarität von Bewusstsein und Körperlichkeit, denn sowohl das Tagesbewusstsein als auch der physische Leib sind als Gesamtheit an der inneren Farbentstehung beteiligt.

Das streng gesetzmässige Verhalten von Licht, Finsternis und Farbe steht in Beziehung zu unserem Denken, Fühlen und Wollen (Handeln). Dieser Dreiheit des seelischen Lebens steht auf der leiblichen Ebene eine korrespondierende Dreigliederung gegenüber: Das Denken stützt sich auf das Nerven-Sinnessystem und gelangt ohne dieses nicht zu Bewusstsein. Das Wollen ist für seine Tätigkeit vom Stoffwechselleben abhängig, hier ist die Leber das zentrale Organ. Das Gefühlsleben ist engstens mit der ganzen Rhythmik verbunden und findet seine hauptsächliche Stütze in der Atmung und im Pulsschlag.

Diese dreifache Verknüpfung zwischen seelisch-geistigen und den körperlichen Lebensprozessen eröffnet die Möglichkeit, über das Malen sowohl in geistig-seelische als auch in körperliche Vorgänge einzugreifen. Malvorgänge spiegeln sich im menschlichen Organismus und bewirken einen Nachklang im Innern. Dieser Spiegelungsvorgang nach innen wirkt aber ebenso nach aussen hin: Farbübungen und Hell/Dunkel-Übungen mit Holzkohle vermitteln - wenn die benutzten Mittel frei verwendet werden - ein Abbild vom inneren, momentanen Farben- und Licht/Finsternis-Gefüge des Patienten. Frei gemalte Bilder haben einen hohen Aussagewert für Arzt und Therapeuten: Sie zeigen nicht nur Möglichkeiten auf, wo eine Therapie ansetzen soll, sondern häufig auch verborgene Krankheitsanlagen, die in die Zukunft weisen. Diese Art von Diagnostik ist ein Hineinlesen in funktionell-organische Störungen oder krankhafte Veränderungen der Körperfunktionen.

Je nach dem auf diagnostischem Weg gewonnenen therapeutischen Ansatz kann der Therapeut den Patienten sich selbst malen lassen, aber nicht als physische Gestalt oder psychologisch-symbolische Projektion, sondern als ein aus Farbintervallen bestehendes Wesen. Auf dem Malpapier können dabei wie in einem Spiegelbild seelische Ungleichgewichte oder körperliche Störungen korrigiert und heilsame Fähigkeiten verstärkt werden. Wird dies sachgerecht geübt und gestaltend weitergeführt, wirkt die äusserliche Selbstkorrektur des Malenden auf die seelischen Kräfte und den Organismus zurück: Er malt sein eigenes Wesen im gesunden Zusammenhang und dies ruft in seinem Innenleben einen Abklang hervor. Wichtig ist dabei nicht, dass immer ein ansprechendes Bild entsteht, sondern dass die Art und Weise, wie die Farben zusammen erscheinen, einer inneren Gesetzmässigkeit nach wahr ist. Je grösser der Willensakt, der aufgebracht werden muss, um ein wahres Ergebnis zu bewirken, desto mehr wirkt das bildhafte Gestalten gesundend. In dieser therapeutischen Malweise liegt ein grosser Reichtum an Möglichkeiten vor zur individuell präzise abgestimmten Therapie. Sie wird ausschliesslich auf ärztliche Empfehlung verordnet.



Therapiekontakt

Paracelsus-Spital Richterswil
Abteilung Therapien
Bergstrasse 16
8805 Richterswil
Tel. 044 787 27 27 (Anmeldung Disposition)
Fax 044 787 23 51
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