Bädertherapie
Die Erdoberfläche ist zum grössten Teil mit Wasser bedeckt. Das Vorhandensein des Wassers ist, im Zusammenwirken mit Licht und Wärme, Voraussetzung für die Entstehung organischen Lebens. Immer ist organisches Leben an Wasser gebunden und alle alten Kulturen wussten, dass Wasser eine durchaus geistige und heilende Qualität besitzt. Sie verehrten Quellen, Flüsse, Naturbrunnen.
Die eigentlichen Erfinder der heutigen Badekuren waren die alten Griechen, die viele Krankheiten an Quellen heilten. Jedes Bad hatte, und hat es heute noch, Heilungscharakter – zum einen durch das Element Wasser selbst, zum anderen durch im Wasser vorhandene oder gezielt zugesetzte Substanzen.
Das Paracelsus-Spital bietet vorwiegend Öldispersionsbäder nach Junge an. Warum? In der heutigen Zeit ist ein Absinken der Körpertemperatur festzustellen. Wo vor 30-40 Jahren die Körpertemperatur noch bei 36-36,5 °C lag, werden heute häufig nur noch 35-35,5 °C gemessen, oft sogar darunter. Was bedeutet die reduzierte Körpertemperatur? Sie ist ein Zeichen einer Immunsystem-Schwäche. Die Immunkräfte reagieren empfindlich auf die Körperwärme – eine Steigerung des Eigenwärmeprozesses erhöht die Aktivität des Immunsystems, d.h. Immunsystem und Wärme stehen in einer engen Verbindung.
Nun zur Frage des Ölzusatzes im Bad: Pflanzen, die Öle bilden, sind dazu nur fähig, solange sie der Sonnenwirkung ausgesetzt sind. Sie bewahren die Sonnenkraft und die Sonnenwärme in sich. Die im Körper durch das Bad resorbierte Sonnenkraft wirkt stärkend auf den Wärmeorganismus, die Körpertemperatur steigt und kräftigt so das Immunsystem.
Unsere Ölbäder liegen im Bereich der Körpertemperatur, manchmal sogar darunter, so dass der Organismus zusätzlich angeregt wird, Eigenwärme zu bilden. Die entsprechend der Krankheitserscheinung zugesetzten pflanzlichen Öle lassen das Bad nicht als kühl empfinden, denn die Öl-Wasservermischung wirkt am ganzen Körper wärmend und hüllt ihn ein. Durch zu heisse Bäder wird die Wärme von aussen aufgezwungen, so dass dem Organismus die Möglichkeit entzogen ist, aus eigener Kraft zu reagieren: er bleibt passiv, eine tief greifende Durchwärmung unterbleibt.
Um die Öle ohne Emulgator mit dem Wasser zu verbinden, benützen wir ein Öldispersionsgerät nach Junge. Mit dessen Hilfe werden Öl und Wasser verwirbelt, das Öl legt sich um allerkleinste Wasserpartikel und wird in feinster Form versprüht. Die Haut “atmet” das – ärztlich verordnete – Öl ein und bewirkt dabei eine Resorption bis in die Blutbahn.
Nach dem Bad, das je nach Krankheitszustand bis zu 20 Minuten dauert, folgt eine Nachruhe von 1 Stunde, in der sich die eigentliche Durchwärmung des Körpers vollzieht. In warme Tücher und Wolldecken eingehüllt ruht der Patient. “Ruhen” heisst kein Gespräch, kein Telefon, kein Radio, kein Lesen. Die umsorgende und aufmerksame Betreuung soll den Patienten gerade in unserer ruhelosen und schnelllebigen Zeit bei der Entwicklung seiner Wärmekräfte hilfreich unterstützen. Der Wärmeorganismus kann sich entfalten und wieder genesen.
Neben Ölbädern bieten wir Nährbäder, Hyperthermiebäder sowie Bäder mit pflanzlichen oder mineralischen Essenzen wie Heublumen oder Schwefel an.